Køpi bleibt Risikokapital – Protest vor dem Gericht

Am 10. Juni 2021 fand der Räumungsprozess gegen den Køpi Wagenplatz am Kriminalgericht Berlin (Turmstraße 91) statt. Dorthin hatte die zuständige Richterin den Prozess verlegt und somit die rund fünfzig betroffenen Menschen kriminalisiert, die sich gegen den drohenden Verlust ihres Wohnortes wehren.

Es wurde alles gespielt was Krach machte. Etwa einhundert Menschen auf der Kundgebung vor dem Gerichtsgebäude gaben sich kämpferisch, aber als das Urteil bekannt wurde, flossen auch Tränen.
Was bei diesem wie bei anderen Gerichtsurteilen dieser Art wiederholt keine Beachtung fand, dass Menschen ihr oft langjähriges Zuhause verlieren, das sich aufgrund genau dieser juristischen und politischen Praxis in Berlin nicht mal annähernd ersetzen lässt, weil Wohnraum und städtische Flächen zu teuren Spekulationsobjekten geworden sind. Es werden aber nicht nur einzelne Menschen aus ihren Räumen herausgerissen und verdrängt, ganze Kiezkulturen verschwinden, weil auch zum Teil lange ansässige Kleingewerbe, Kollektive oder Gemeinschaften herausgeklagt und vertrieben werden.

Das autonome Hausprojekt Köpenicker Straße 137 ist aktuell nicht betroffen. Dennoch betrachten sich die Bewohner* und die des angrenzenden Wagenplatzes selbstverständlich als Gemeinschaft. Der die Wagenplatzbewohner* vertretende Anwalt sieht darüber hinaus auch rechtliche Bedingungen, die Wagenplatz und Haus verbinden und hat deshalb angekündigt, Berufung gegen das Urteil zu einzulegen.

Vom brennenden Thema der Immobilienspekulation und ihrer Auswirkungen abgesehen, ist es auffällig, dass in den letzten Jahren vor allem Menschen und Projekte ihre Räume und damit ihren Wirkungskreis verloren, die notwendige und zum Teil funktionierende Alternativen zum kapitalistischen Alltag leb(t)en.

Weitere Informationen
https://taz.de/Raeumungsurteil-gegen-Wagenplatz/!5774461/
https://taz.de/Linkes-Zentrum-in-Berlin/!5640482/

*geschlechtsneutral

© silberfink / Berlin 2021

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